• Schneider Titelstory 3 2021

    Umweltmanagement muss transparent sein

    Nicht nur die Liebe zum Schreiben und zur Handschrift, sondern auch die Umweltverantwortungsind in der Firmenpolitik tief verankert. Christian Schneider, Geschäftsführer Schneider Schreibgeräte,gibt mehr…

25.03.2021

Umweltmanagement muss transparent sein

Nicht nur die Liebe zum Schreiben und zur Handschrift, sondern auch die Umweltverantwortung sind in der Firmenpolitik tief verankert. Christian Schneider, Geschäftsführer Schneider Schreibgeräte, gibt uns Einblicke, wie das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen umgesetzt wird.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Der PBS Report möchte diesem Thema eine Bühne bieten und hat erstmals den „PBS Report Green Award“ verliehen. Mit diesem Preis möchte das Fachmagazin das „grüne Büro“ weiter thematisieren und nachhaltigen Produktlösungen eine breite Plattform bieten. Schneider Schreibgerätes neustes Produkt, der Kugelschreiber Reco, wurde in diesem Jahr von der Fachjury zum Gewinner in der Kategorie „Schreiben“ gekürt. Das mit EMAS zertifizierte Unternehmen hat sich im Bereich Nachhaltigkeit schon mehrfach einen Namen gemacht, und auch der Kugelschreiber Reco darf bereits mehrere Logos tragen, unter anderem das des „Blauen Engels“. Wir haben beim Schreibgerätehersteller nachgefragt, was das Produkt kann und welche Materialen wirklich die Nachhaltigsten sind.

Schneider: Vielen Dank noch einmal für diesen tollen Preis! Er ist für uns und unser Engagement für nachhaltiges Ar-beiten und Handeln eine wertvolle Bestätigung und Anerkennung.

Mit EMAS als Umweltmanagementsystem fängt Nachhaltigkeit im Fertigungsprozess an. Es steckt weit mehr hinter dem Begriff Nachhaltigkeit als nur die Verwendung von umweltschonenden Materialien für Produkte und Verpackung. Welche Maßnahmen hat Schneider Schreibgeräte in der Herstellung getroffen?
Schneider: Für uns lag in Sachen Nachhaltigkeit lange Jahre der Fokus hauptsächlich auf dem Fertigungsprozess. Bereits im ersten Jahr der EMAS-Zertifizierung erfolgte der große Schritt zur Umstellung des Strombezugs auf rege-nerativ. Darüber hinaus gewinnen wir Strom durch eigene Erzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung und der an allen Schneider-Standorten installierten Photovoltaikanlagen. Nicht nur die Umstellung auf Naturstrom, sondern auch allgemeines Stromsparen durch verbrauchsärmere Maschinen, Computer und Drucker und auch effektivere Spritzgießmaschinen etc. verbesserten die Energie- und CO2-Bilanz unserer Fir-menabläufe signifikant. Am Standort Tennenbronn ist der Ausstoß an Emissi-onen in den vergangenen zehn Jahren in Relation zur Produktmenge um fast 80 Prozent gesunken.

Unser erstes Ziel war es, für eine Umwelt- und Ressourcen schonende Produktionsweise zu sorgen, jedoch steht die Nachhaltigkeit auch auf Produktebene im Fokus. Dabei legen wir besonders großen Wert auf die Produktqualität und Langlebigkeit, denn Müll vermeiden ist immer noch die beste Form von Umweltschutz. Aus diesem Grund achten wir auch auf die Nachfüllbarkeit unserer Produkte. Die einfachen und sauberen Nachfüllmöglichkeiten, die wir für viele unserer Produkte anbieten, gewährleisten die uneingeschränkte Nutzbarkeit unserer Schreibgeräte über mehrere Jahre.

Die Verwendung von biobasierten und Recyclingkunststoffen kam erst später. Als Hersteller von Massenprodukten ist es diesbezüglich unser Anspruch, dass man es den Produkten nicht ansehen sollte, dass sie nachhaltig sind. Von Anfang an war es unser Bestreben, weiterhin eine breite Zielgruppe anzusprechen und dies mit einem wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Fertigungsprozess zu unterlegen.

Welche Ressourcen schonenden Materialien verwendet Schneider Schreibgeräte für die Produktion der Schreibgeräte?
Schneider: Wir verwenden seit vielen Jahren biobasierte Kunststoffe und leisteten in diesem Bereich Pionierarbeit. Biobasierte Kunststoffe weisen für Schreibgeräte dieselben tollen Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe auf und stellen demnach eine ebenbürtige und langfristige Alternative dar.

Neben biobasierten Kunststoffen setzen wir außerdem zunehmend auf recycelte Kunststoffe. Die Aufbereitung eines Recyclats ist mit weitaus weniger Energieeinsatz verbunden als die Gewinnung von Rohöl, welches den Aus-gangsrohstoff für Neu-Kunststoff darstellt. Die Verwendung von Recycling-Kunststoff hilft außerdem dabei, die immer knapper werdenden Rohstoff- und Energiequellen zu schonen und aufzuzeigen, dass es sich bei Kunststoff um einen hochwertigen Werkstoff handelt, den man wie ein solcher für neue Produkte ansehen und behandeln sollte.

Unsere eingesetzten Recycling-Kunststoffe werden von einem unabhängigen Prüfinstitut auf den Recyclatgehalt geprüft und zertifiziert. Sie stammen aus vertrauenswürdigen Quellen und die daraus gefertigten Produkte dürfen gemäß der Norm DIN EN ISO 14021 als Recyclingprodukte ausgelobt werden.

Sie bieten für diese Materialien eine Vielzahl an Zertifikaten. Ist es nicht so, dass diese Zertifikate den Verbraucher eher überfordern, und haben Sie vielleicht einen Tipp auf welche Zertifikate man beim Kauf von nachhaltigen Produkten achten sollte?
Schneider: Ja das stimmt! Die Vielzahl an Zertifikaten überfordern tatsächlich den Verbraucher manchmal. Wir kennen dieses Problem als Verbraucher ja selbst auch beispielsweise bei Lebensmitteln. Nichts desto trotz sind die Zertifikate sicherlich gut zur Orientierung. Wir beobachten leider immer wieder, dass ver-schiedene Themen, wie biobasierte Kunststoffe und Bioabbaubarkeit, Recycling und Recycelbarkeit in Werbeaussa-gen nicht korrekt formuliert sind oder missverständlich dargestellt werden, um die Wahrnehmung der Verbraucher gezielt zu beeinflussen. Auch bei den prozentualen Anteilen an biobasierten oder recycelten Kunststoffen oder de-ren Herkunft wird oft sehr großzügig mit Aussagen umgegangen. Aus diesem Grund befürworten wir Zertifikate, denn sie helfen auch grundlegend dabei allgemeingültige Richtlinien einzuführen und Greenwashing zu erschweren.

Transparenz zu schaffen ist sehr komplex, anfangs sicher auch aufwendig und kostspielig, jedoch denken wir, dass es sich auf lange Sicht auszahlt ehrlich zu sein, denn man gewinnt als Unternehmen Glaubwürdigkeit. Aus diesem Grund haben wir uns auch 1998 für unsere EMAS Zertifizierung entschieden, denn uns liegt es am Herzen, unser Umweltmanagement ehrlich und korrekt zu kommunizieren. Durch die von EMAS vorgeschriebene Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts inklusive aller Unternehmenszahlen schaffen wir sowohl unternehmensintern als auch ge-genüber allen Marktteilnehmern ein Höchstmaß an Transparenz in Bezug auf das Engagement eines gesamten Un-ternehmens. Auch auf Produktebene setzen wir auf Transparenz und lassen unsere Rohstoffe auf Schadstoffe prüfen und arbeiten für alle Recyclingpro-dukte mit einem unabhängigen, vereidigten Sachverständigen, der sowohl die Herkunft als auch den genauen Anteil des Recyclingmaterials zertifiziert. In manchen Fällen ist es eine richtige Herausforderung die Nachweise zu erhalten. Dies sollte jedoch in jedem Fall angestrebt werden. Für den Handel sind sicherlich DinCertco und EuCertplast in dieser Hinsicht glaubwürdige Zertifizierungsgesellschaften.

Was ist sinnvoller? Der Einsatz von Recycling- oder biobasierten Kunststoffen?
Schneider: Beides ist absolut sinnvoll. Die beiden Wege der Ressourcenschonung darf man nicht in Konkurrenz stellen, denn jede Art hat ihre Berechtigung. Der Einsatz hängt stark von den Anforderungen an das daraus entstehende Produkt ab. Auch Produkte aus bioba-siertem Kunststoff und somit einer nachwachsenden Ressource können am Ende recycelt werden. Außerdem können nicht alle Produkte aus Recyclingmaterial gemacht werden, da es in der Welt zum einen nicht genügend Recyclingmaterial gibt und zum anderen die Alternativen zum ölbasierten Kunststoff erforscht werden müssen, da das Öl ja auf lange Sicht ausgeht und dann Alternativen gebraucht werden.

Ist Recycling-Kunststoff günstiger als Neuware?
Schneider: Für unsere Einsatzzwecke leider nicht. Da qualitative und auf Schadstoffe geprüfte Recyclate unsere Maxime sind, müssen wir auf speziell geeignete Recyclate aus zertifizierten Quellen zurückgreifen. Auch hier gibt es Unterschiede und es kommt auf die Art und auf den Aufbereitungsprozess an, den der Recyclingkunststoff benötigt. Leider kann kann man nicht allgemein sagen, dass Recyclingkunststoffe automatisch günstiger sind als Neuware. Wir setzen trotzdem Recycling-Kunststoff aus Überzeugung.

Gibt es auch Hürden in der Verarbeitung von solchen neuen alternativen Werkstoffen?
Schneider: Ja, die gibt es auf jeden Fall. Der Markt für qualitativ hochwertige Recyclate ist begrenzt und die Nachfrage sehr hoch. Viele Firmen verwenden inzwischen Recyclingmaterial und kaufen teilweise sehr große Mengen. Zur Sicherung unseres Bedarfs setzen wir aus diesem Grund auf langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferanten, denn neben der Verfügbarkeit spielt vor allem auch die gleichbleibend hohe Qualität der Kunststoffe eine entscheidende Rolle.

Haben Sie schon Pläne und Ideen, wie Schneider Schreibgeräte noch nachhaltiger werden kann?
Schneider: In der Produktion und bei be-stehenden Produkten inklusive deren einzelnen Werkstoffen hinterfragen wir immer wieder aufs Neue, was in Bezug auf Nachhaltigkeit verbessert werden kann. Zum Schutze der Umwelt und der endlichen Ressourcen ist die Suche nach neuen Lösungen daher unverzichtbar. Sicherlich werden wir auch in Zukunft weiterhin auf alternative Rohstoffe setzten und auch im Betrieb findet man immer wieder neue Möglichkeiten um noch etwas besser zu werden.
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