Neuausrichtung mit klaren Zielen
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Saturday, 29. November 2025
Handelsverband Büro und Schreibkultur 24.11.2025
Die Herbsttagung des Handelsverbandes Büro und Schreibkultur in Berlin zeigte einen deutlichen Realitätsabgleich zwischen Politik und Wirtschaft. Die Branche fordert weniger Regulierung, mehr Verlässlichkeit und schnellere Entscheidungen.

Auf der Herbsttagung des Handelsverbandes Büro und Schreibkultur am 18. November 2025 in der Vertretung des Landes Hessen beim Bund kamen Vertreter aus Handel, Industrie, Verbundgruppen, Messewirtschaft und Medien zusammen, um die wirtschaftliche Lage und die Zusammenarbeit mit der Politik zu diskutieren. Die Veranstaltung machte klar, wie groß der Druck im Markt inzwischen ist. Viele Teilnehmer sprachen von einer wachsenden Kluft zwischen politischen Entscheidungen und unternehmerischer Realität. Die Erwartungen an Entlastung, Planbarkeit und strukturelle Reformen seien hoch, die Ergebnisse bisher gering.
Zu Beginn wurde die wirtschaftliche Grundsituation skizziert. Viele Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit sinkender Nachfrage, hohen Energiepreisen, Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren und einem Regulierungsstand, der zunehmend als Hemmschuh empfunden wird. Die Teilnehmenden forderten weniger Symbolpolitik und mehr handwerklich saubere Entscheidungen, die wirtschaftliche Abläufe erleichtern und nicht weiter komplizieren.
Deutliche Worte kamen von Daniela Kluckert, Mitglied im FDP-Bundesvorstand und frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Sie beschrieb eine Politik, die den Praxisbezug verliere und Entscheidungsprozesse überfrachte. Die Möglichkeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz würden kaum genutzt, um Komplexität zu reduzieren. Notwendig seien einfachere Verfahren und eine konsequente Nutzung technischer Lösungen, um Verwaltung und Wirtschaft spürbar zu entlasten.
Thorsten Alsleben von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft setzte einen weiteren Schwerpunkt. Aus seiner Sicht ist die Summe aus hohen Energiekosten, massiver Bürokratie und mangelnder Reformbereitschaft zu einem zentralen Risiko geworden. Seine Einschätzung war klar. Bleibt der notwendige Reformimpuls aus, drohen spürbare Einschnitte am Arbeitsmarkt. Er betonte, dass Bürokratieabbau nicht nur Unternehmen entlaste, sondern den Staat selbst leistungsfähiger mache.
Frank Indenkämpen, Geschäftsführer von Novus Dahle und Vorstandsmitglied der PBS-Markenindustrie, beschrieb die Lage vieler mittelständischer Betriebe. Die Unternehmen seien bereit zu investieren, benötigten dafür aber Freiräume und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Stattdessen nehme die Zahl der Berichtspflichten weiter zu. Aus seiner Sicht führt dies zu unnötigen Belastungen, ohne dass ein erkennbarer Mehrwert entstehe.
Einen weiteren Blick in die Realität der Industrie bot Christian Langwald, Leiter Wirtschaft und Statistik beim Verband der Deutschen Möbelindustrie. Er zeigte auf, wie stark die Möbel- und Büromöbelbranche durch die Baukrise und das schwache Konsumklima getroffen ist. Rückgänge bei Baugenehmigungen und Fertigstellungen wirken sich direkt auf die Produktion aus. Trotz hoher Beschäftigungswirkung erhalte die Branche politisch nur geringe Aufmerksamkeit. Langwald machte deutlich, dass der Schlüssel zu einer Erholung in verlässlichen Rahmenbedingungen und schnelleren Baustarts liege.
In der politischen Einordnung sprachen Dr. Frank Wilhelmy vom Wirtschaftsforum der SPD und Martin Kaul von der Wirtschaftsvereinigung der Grünen über strukturelle Herausforderungen. Beide signalisierten Bereitschaft zu behördlichen Reformen, verwiesen aber auch auf schwierige Entscheidungsprozesse und unterschiedliche Zuständigkeiten. Die Diskussion zeigte, dass viele politische Vorhaben im Alltag der Unternehmen kaum Wirkung entfalten. Die Erwartungen an konkrete Maßnahmen bleiben hoch.
Ein anderer Schwerpunkt lag auf der internationalen Messewirtschaft. Hendrik Hochheim, Bereichsleiter Messen Deutschland beim AUMA, berichtete von klaren Wachstumssignalen. Internationale Aussteller kehren in großer Zahl zurück, die vermietete Standfläche steigt und die Dynamik nimmt zu. Gleichzeitig bleibt die Beteiligung deutscher Hersteller zurückhaltend. Die Gründe liegen laut Hochheim im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld und in der Zurückhaltung vieler Unternehmen. Messen gehören dennoch weiterhin zu den wichtigsten Marketinginstrumenten. Ein großer Teil der Budgets fließt nach wie vor in Messeauftritte, und die Unternehmen achten verstärkt auf messbare Ergebnisse.
Am Ende der Tagung zog HBS-Präsident Michael Ruhnau eine klare Bilanz. Handel, Industrie und Messewirtschaft hätten deutlich gemacht, dass der Regulierungsdruck weiter steigt, während zentrale Entscheidungen ausblieben. Deutschland verliere damit an Wettbewerbsfähigkeit. Die internationale Beteiligung an Messen steige, aber viele heimische Unternehmen zögerten. Aus Sicht des Verbandes ist dies ein Warnsignal, das ernst genommen werden müsse. Die Wirtschaft brauche verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und schnelle Entscheidungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Die Herbsttagung verdeutlichte, wie groß der Handlungsdruck geworden ist. Die Branche erwartet eine Politik, die Prozesse vereinfacht statt verkompliziert und wirtschaftliche Aktivitäten nicht ausbremst. Gleichzeitig zeigte die Diskussion, dass viele Unternehmen bereit sind, Veränderungen aktiv mitzugestalten. Voraussetzung dafür sind klare Entscheidungen und mehr Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Mittelstands.
hwb.online