Change Maker 50plus 21.08.2026
Onlinekonferenz: Kompetenz kennt kein Alter
Change Maker 50plus feiert fünfjähriges Bestehen. Am 8. Oktober 2026 bringt die Onlinekonferenz erneut Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen Altersvielfalt, Erfahrung, Wissenstransfer, künstliche Intelligenz und die Zusammenarbeit der Generationen. Unterstützt wird die Initiative von PBS Report und New Work Styles.

Der demografische Wandel verändert den Arbeitsmarkt längst spürbar. Unternehmen suchen Fachkräfte, während gleichzeitig ein erheblicher Teil ihrer erfahrensten Beschäftigten in den kommenden Jahren das Rentenalter erreicht. Genau an dieser Stelle setzt Change Maker 50plus an.
Die Initiative wurde 2020 von Dr. Leonie Koch von Otto, Susanne Sabisch-Schellhas vom Demographie Netzwerk Hamburg und Klaus-Peter Mikulla, Gründer Mikulla & Partner, ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, Altersvielfalt in Unternehmen stärker ins Bewusstsein zu rücken, Erfahrungswissen zu sichern und die Zusammenarbeit der Generationen zu verbessern. Neben regelmäßigen Onlineformaten organisiert das Netzwerk jährlich eine große Konferenz.
Aus einer Initiative ist inzwischen ein überregionales Netzwerk geworden. Change Maker 50plus verbindet Unternehmen im gesamten DACH-Raum und macht Beispiele sichtbar, wie Altersvielfalt praktisch funktionieren kann. Dazu gehören altersgemischte Tandems, Mentoringprogramme und interne Generationennetzwerke.
Nach fünf Jahren soll dieser Ansatz weiter ausgebaut werden. Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, findet von 10 bis 17 Uhr die nächste Onlinekonferenz statt. Das Programm verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus Unternehmen und konkreten Lösungen für die Personalarbeit.
Erfahrung darf nicht unsichtbar werden
Den Vormittag eröffnet Prof. Dr. h. c. Jutta Allmendinger mit der Keynote „Erfahren und doch ungesehen“. Die Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt sich mit der Frage, weshalb Menschen 50plus trotz Fachkräftemangel und demografischem Wandel im Arbeitsleben häufig weniger wahrgenommen werden. Ihr Plädoyer richtet sich an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die Generation X und die Babyboomer wieder stärker in den Blick zu nehmen.
Daran schließt die Podiumsdiskussion „Kompetenz kennt kein Alter“ an. Im Mittelpunkt steht der Wert von Erfahrung für Qualität, Stabilität und Innovation. Mit dabei sind Detlef Arnold, Gründer von G50UNLEASHED, der frühere Fußballnationalspieler und Unternehmer Marcell Jansen, die österreichische Moderatorin und Schauspielerin Verena Scheitz sowie Anja Förster, CEO bei Rebels at work, “Spiegel-Bestseller-Autorin, Keynote-Speakerin für mutige Führung und Gründerin Rebels at Work, eine Community für Führungskräfte, mutige Denker und Gestalter. Moderiert wird die Runde von Nicole Schmutte, Leiterin Gleichstellung und Diversity beim NDR und Co-Initiatorin von Change Maker 50plus.
Praxiswissen in den Themenräumen
Parallel dazu geht es in verschiedenen Themenräumen um konkrete Lösungen für Unternehmen. Die Deutsche Bank stellt ihr „Generationen-Gespräch“ vor, das Beschäftigte verschiedener Generationen miteinander verbindet. Die AOK Hessen zeigt, wie Kompetenzentwicklung und E-Learning organisiert werden können, ohne Lernangebote an Altersgruppen festzumachen.
Ein weiterer Themenraum beschäftigt sich mit Ageismus und einer alterspositiven Unternehmenskultur. Lucie Stecker vom Demographie Netzwerk stellt dazu unter anderem den Onlinekurs „Beyond Age“ vor, der im europäischen Projekt „SNAW – Say No to Ageism in the Workplace“ entstanden ist.
Das Modellprojekt „ÜbergangsWeise“ untersucht wiederum, wie Beschäftigte in ihren letzten zehn Berufsjahren gesund und motiviert im Unternehmen gehalten werden können. Entwickelt wird ein Leitfaden für alterssensible Zukunftsgespräche, der ausdrücklich für kleine und mittlere Unternehmen nutzbar sein soll.
Weitere Themen sind die „NeueGeneration 50+“ bei Beiersdorf sowie der Firmenservice der Deutschen Rentenversicherung. CareNet Hamburg beschäftigt sich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und damit mit einer Herausforderung, die angesichts älter werdender Belegschaften weiter an Bedeutung gewinnt.
Generationenmythen auf dem Prüfstand
Am Nachmittag stellen Martina Schmeink, geschäftsführender Vorstand des Demographie Netzwerks, und Hansjörg Lüttke, geschäftsführender Vorstand der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung, verbreitete Generationenmythen auf den Prüfstand.
Aussagen wie „Die Generation Z will nicht arbeiten“ oder „Ältere Beschäftigte sind nicht mehr veränderungsbereit“ gehören zum Alltag vieler Personalabteilungen. Im Dialog soll geklärt werden, was tatsächlich hinter solchen Zuschreibungen steckt und welche Konsequenzen sich daraus für Personalstrategie und Fachkräftesicherung ergeben.
Was KI mit Erfahrung macht
Einen zweiten großen Schwerpunkt bildet künstliche Intelligenz. Inga Dransfeld-Haase, Personalvorständin und Arbeitsdirektorin der TÜV NORD Group, spricht in ihrer Keynote über „Skills, Erfahrung, Algorithmen“. Dabei geht es um die Frage, welchen Wert Erfahrung in einer Arbeitswelt besitzt, in der Wissen durch KI immer schneller verfügbar wird.
Ihre These lautet, dass Erfahrung, Kontextwissen und Future Skills gerade im Zusammenspiel mit neuen Technologien zu wichtigen Zukunftskompetenzen werden. Voraussetzung seien kontinuierliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen über alle Generationen hinweg.
Die anschließende Podiumsdiskussion greift diesen Konflikt unter dem Titel „Auf der KI:ppe?“ auf. Diskutiert wird, ob KI Berufserfahrung entwertet oder ob Urteilskraft, Kontextwissen und komplexe Problemlösung dadurch sogar wichtiger werden. Auf dem Podium sitzen neben Inga Dransfeld-Haase unter anderem Samuel Keitel von Senior Connect, Tatiana Kitschke von Hays, Otto-CIO Dr. Michael Müller-Wunsch sowie Prof. Dr. Jutta Rump. Moderiert wird die Runde von Change-Maker-Mitgründerin Dr. Leonie Koch.
Von HDI und ING bis Deutsche Telekom
Auch am Nachmittag öffnen zahlreiche Themenräume den Blick in die Unternehmenspraxis. HDI und eXpensio beschäftigen sich damit, wie Unternehmen die Fähigkeiten von Beschäftigten 50plus besser nutzen können. Vertreter aus Sparkassen und der L-Bank diskutieren die Folgen des demografischen Wandels für Banken.
Die ING stellt mit „BuddyING“ ein Angebot vor, das jüngere und ältere Beschäftigte gezielt miteinander in Kontakt bringt. Das Konzept soll den Austausch zwischen den Generationen über bestehende interne Netzwerke hinaus fördern.
Die Deutsche Telekom geht einen Schritt weiter und beschäftigt sich mit der Messbarkeit von Wissenstransfer. Vorgestellt wird eine Methodik, mit der Unternehmen die Erfolgsaussichten generationenübergreifender Wissensweitergabe bereits im Vorfeld bewerten können. Berücksichtigt werden unter anderem die Bedeutung des vorhandenen Wissens, die eingesetzten Transfermethoden, Teamdiversität und KI-Werkzeuge.
Ein weiterer Themenraum widmet sich einem häufig vernachlässigten Punkt der Personalstrategie: dem Übergang in den Ruhestand. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Unternehmen das Wissen ausscheidender Beschäftigter sichern und Offboarding als Führungsaufgabe gestalten können.
Der NDR präsentiert schließlich sein Generationen-Mentoring. Das im November 2025 gestartete Pilotprogramm bringt Beschäftigte unterschiedlicher Generationen über eine digitale Matchingplattform zusammen. Nach sechs Monaten wurde das Projekt im Mai 2026 erstmals ausgewertet.
Erfahrung als Teil der Zukunft
Das Programm zum fünfjährigen Bestehen zeigt, wie stark sich die Diskussion über Beschäftigte 50plus verändert hat. Es geht längst nicht mehr allein darum, ältere Mitarbeitende länger im Unternehmen zu halten. Im Mittelpunkt stehen Wissen, Lernfähigkeit, Gesundheit, Führung, künstliche Intelligenz und die Frage, wie unterschiedliche Generationen produktiv zusammenarbeiten können.
Change Maker 50plus versteht sich deshalb inzwischen nicht nur als jährliche Konferenz. Die Initiatoren wollen eine Bewegung schaffen, die Unternehmen miteinander verbindet und den Erfahrungsaustausch dauerhaft fördert. Schon im vergangenen Jahr formulierte Dr. Leonie Koch diesen Anspruch so: „Wir möchten eine Bewegung schaffen, die gemeinsame Interessen bündelt, generationenübergreifendes Wachstum fördert und Verbindungen stärkt.“
Die Onlinekonferenz Change Maker 50plus findet am Donnerstag, 8. Oktober 2026, von 10 bis 17 Uhr statt. Die Teilnahme erfolgt online und ist kostenfrei.
Programm und Anmeldung