28. September 2026

Lyreco Österreich: Mehr als Bürobedarf —Beschaffung neu gedacht

Zum 100-jährigen Bestehen blickt Lyreco nicht nur zurück. In Österreich positioniert sich das internationale Familienunternehmen als Partner für eine Arbeitswelt, in der Kostendruck, Nachhaltigkeit und neue Erwartungen an den Arbeitsplatz zusammenkommen.

Als Georges-Gaston Gaspard 1926 im nordfranzösischen Valenciennes eine kleine Buchhandlung eröffnete, war der moderne Arbeitsplatz noch weit entfernt. Heute, ein Jahrhundert später, betreut Lyreco Kunden in mehr als 25 Ländern. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in Familienbesitz, sein Geschäft hat mit dem ursprünglichen Sortiment jedoch nur noch wenig gemein. Aus Papier und Schreibwaren ist ein breites Angebot an Produkten und Dienstleistungen für Büros, Homeoffice, Produktion und Logistik geworden.

Das Jubiläum liefert den historischen Rahmen. Für Unternehmen in Österreich ist allerdings eine andere Entwicklung mindestens ebenso relevant: Seit dem Markteintritt in Österreich im Jahr 2006 ist Lyreco ein verlässlicher Partner für die heimische Wirtschaft. Als Teil der Region Lyreco Central Europe (zusammen mit Tschechien, der Slowakei und Ungarn) verbindet das Unternehmen die Stärke einer regionalen Organisation von rund 350 Mitarbeitenden mit einer ausgeprägten Verankerung im österreichischen Markt. Österreich nimmt dabei eine zentrale, strategische Schlüsselrolle ein.

Die Kosten liegen oft im Prozess
Der Ausbau fällt in eine Zeit, in der sich die Anforderungen an betriebliche Beschaffung deutlich verschärfen. Unternehmen sollen Kosten senken, Lieferketten stabil halten, Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und gleichzeitig hybride Arbeitsmodelle sowie unterschiedliche Standorte versorgen. Gerade bei regelmäßig benötigten Arbeitsplatzprodukten entsteht dadurch eine Komplexität, die in der reinen Betrachtung von Einkaufspreisen leicht übersehen wird.

Denn der vermeintlich günstigste Artikel ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Kosten entstehen auch bei der Bestellabwicklung, bei internen Freigaben, in der Rechnungsadministration, durch Bestandsführung und durch die Betreuung zahlreicher Lieferanten. Kommen unterschiedliche Bestellwege, uneinheitliche Sortimente und unkontrollierte Einzelkäufe hinzu, steigt der Aufwand weiter. Für den Einkauf rückt deshalb die Gesamtbetrachtung – die Total Cost of Ownership – in den Vordergrund.

Genau hier setzt das One-Stop-Shop-Modell von Lyreco Central Europe an. Statt einzelne Produktgruppen über viele Anbieter zu beziehen, können Unternehmen Beschaffungsvolumen bündeln. Weniger Lieferanten und Rechnungen, standardisierte Sortimente und transparentere Ausgaben sollen nicht nur die Administration entlasten, sondern auch die Einhaltung interner Einkaufsrichtlinien erleichtern. Das größte Einsparpotenzial liegt damit häufig nicht in einer weiteren Preisrunde, sondern in schlankeren Abläufen.

Ein Sortiment für sehr unterschiedliche Arbeitswelten
Die Grundlage dafür ist ein Portfolio, das weit über klassischen Bürobedarf hinausreicht. Rund 12.000 Produkte sind lagernd, mehr als 10.000 weitere auf Anfrage erhältlich. Insgesamt deckt Lyreco 16 Kategorien ab: von Büroprodukten, Papier, Etiketten und Verpackungen über IT-Zubehör, Toner und Möbel bis zu Hygiene, Verpflegung und persönlicher Schutzausrüstung. Damit adressiert das Unternehmen nicht nur Büros, sondern zunehmend auch Produktionsstätten, Lager und Logistikzentren. Die Produkte und Dienstleistungen sollen Sicherheit, Wohlbefinden und Produktivität am Arbeitsplatz fördern.

Wie eine solche Bündelung praktisch aussehen kann, zeigt das Beispiel eines multinationalen Kunden mit fragmentierter Beschaffungsstruktur. Lyreco analysierte zunächst Verbrauchsmuster, vereinheitlichte die Produktauswahl, passte Lagerbestände an und optimierte Lieferzyklen. Dadurch ließ sich die Komplexität der Beschaffung reduzieren und ein messbarer geschäftlicher Mehrwert schaffen. Der Fall verdeutlicht den Wandel vom reinen Produktlieferanten zum Prozesspartner. Dahinter steht der Caregiver-Ansatz des Unternehmens: „Wir kümmern uns um den Arbeitsplatz, damit sich unsere Kunden auf das Wesentliche konzentrieren können.“

Nachhaltigkeit wird zum Beschaffungskriterium
Mit der Bündelung wächst allerdings auch die Verantwortung des Lieferanten. Nachhaltigkeit ist für viele Einkaufsabteilungen längst kein Zusatzkriterium mehr, sondern Bestandteil von Lieferantenauswahl, Berichtspflichten und Risikomanagement. Lyreco verankerte das Thema nach eigenen Angaben bereits 2004 in seiner Geschäftsstrategie und trat im selben Jahr dem UN Global Compact bei. Weltweit werden derzeit rund 60 Prozent des Umsatzes mit als nachhaltig eingestuften Produkten erzielt; langfristig sollen es 90 Prozent sein. In West- und Nordeuropa liegt der Anteil bereits über 80 Prozent.

Besonders sichtbar wird dieser Anspruch bei der Eigenmarke: Deren Produkte werden nach definierten Nachhaltigkeitsprinzipien entwickelt. Für Kunden soll dies verantwortungsvollere Kaufentscheidungen ermöglichen, ohne Qualität, Leistung oder Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Besonders hervorzuheben ist die Platin-Bewertung von EcoVadis, die Lyreco 2025 als höchste Stufe des Ratings erhielt. Sie bestätigt die Leistungen des Unternehmens im Nachhaltigkeitsmanagement, bei der Umweltverantwortung, bei ethischen Geschäftspraktiken, in der nachhaltigen Beschaffung und bei der Steuerung der Lieferkette durch eine unabhängige Bewertung. 2026 kamen bei den European Office Products Awards die Auszeichnungen für Sustainability Excellence und als Reseller of the Year hinzu.

KI analysiert – Menschen verstehen
Auch in der Beschaffung verändert künstliche Intelligenz die Prozesse. Sie kann Verbrauchsdaten auswerten, Bedarfe prognostizieren, Routinen automatisieren und Auffälligkeiten im Einkaufsverhalten sichtbar machen. Doch je komplexer Arbeitsumgebungen werden, desto wichtiger bleibt die Fähigkeit, betriebliche Zusammenhänge zu verstehen: Welche Standards sind sinnvoll? Wo verursachen Sonderwünsche unnötigen Aufwand? Und welche Lösung funktioniert tatsächlich im Arbeitsalltag?

Lyreco setzt deshalb weiterhin auf persönliche Beratung. Rund 150 Außendienstmitarbeitende sind in der Region Lyreco Central Europe im Einsatz. Mit einem eigenen, hochspezialisierten Team direkt vor Ort in Österreich stellt Lyreco sicher, dass Kunden persönlich, individuell und mit tiefem Verständnis für die lokalen Marktbedürfnisse betreut werden. Sie analysieren Arbeitsumgebungen, erkennen Ineffizienzen und entwickeln Vorschläge für Sortiment, Prozesse und Versorgung. Andreas Rameder, Country Manager Austria, beschreibt sie als „Relationship Builder“. Die zugrunde liegende Haltung lässt sich knapp zusammenfassen: KI kann Effizienz steigern, Vertrauen entsteht zwischen Menschen. Getragen wird dieser Ansatz von den Werten des Familienunternehmens: Leidenschaft, Exzellenz, Respekt und Agilität sollen Kundenbeziehungen und Unternehmenskultur auch in einem veränderten Geschäftsumfeld prägen.

Das Büro wird zum strategischen Ort
Parallel dazu verändert sich der Zweck des Arbeitsplatzes. Das Büro verschwindet nicht, es übernimmt andere Funktionen. In hybriden Organisationen wird es stärker zum Ort der Zusammenarbeit, zum Träger der Unternehmenskultur und zu einem sichtbaren Teil der Arbeitgebermarke. Damit gewinnt seine Gestaltung auch für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften an Bedeutung. Ergonomie, Verpflegung, Begegnungszonen und Maßnahmen für das Wohlbefinden sind daher nicht bloß Komfortfragen. Sie beeinflussen, wie Mitarbeitende ihren Arbeitgeber erleben und wie produktiv Teams zusammenarbeiten können.

Für Beschaffungsverantwortliche verbindet sich damit eine anspruchsvolle Aufgabe: Sie müssen sehr unterschiedliche Arbeitsorte zuverlässig versorgen, Kosten und Prozesse im Griff behalten und zugleich ökologische sowie soziale Anforderungen berücksichtigen. Ein breites Sortiment allein löst diese Aufgabe nicht. Gefragt sind Daten, Beratung und ein Versorgungsmodell, das sich an veränderte Bedarfe anpassen lässt.

Nach 100 Jahren steht Lyreco damit erneut an einem Wendepunkt der Arbeitswelt. Die Historie schafft Vertrauen, doch für die Position im österreichischen Markt zählt vor allem, was daraus folgt: die Verbindung globaler Leistungsfähigkeit mit regionaler Nähe und die Fähigkeit, aus alltäglicher Beschaffung einen messbaren Beitrag zu Effizienz, Nachhaltigkeit und Arbeitsqualität zu machen.
lyreco.com

Andreas Rameder, Lyreco: „Österreichs Arbeitsplätze stehen vor einem strategischen Wandel“

Wie verändern Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Arbeitsmodelle die Beschaffung? Darüber spricht Andreas Rameder, Country Manager Austria bei Lyreco. Er erläutert, warum Unternehmen den gesamten Beschaffungsprozess stärker in den Blick nehmen sollten und welche Rolle persönliche Beratung auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz spielt.

Andreas Rameder Lyreco – Country Manager Austria


Herr Rameder, vor welchen besonderen Herausforderungen stehen österreichische Unternehmen derzeit bei der Beschaffung von Produkten und Lösungen für den Arbeitsplatz? Welchen Beitrag kann die Konsolidierung von Lieferanten leisten, um Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken?
Rameder: Die größte Herausforderung für viele Unternehmen bleibt die Fragmentierung des Einkaufs. Wenn eine Einkaufsabteilung Dutzende verschiedene Lieferanten managen muss – separat für Bürobedarf, Hygiene, Arbeitsschutz oder Catering, entstehen ein enormer administrativer Aufwand und unübersichtliche Prozesskosten. Ein zweiter häufiger Fehler ist die Auswahl von Produkten rein nach dem niedrigsten Einzelpreis. In der Praxis führen beispielsweise ineffiziente Seifen- oder Papierhandtuchsysteme sowie minderwertiges Verbrauchsmaterial zu höherem Verbrauch, Ausfällen und letztlich zu höheren Gesamtkosten (TCO).

Bei Lyreco verfolgen wir einen Ansatz, der auf einem detaillierten Arbeitsplatz-Audit basiert. Unsere Außendienstmitarbeitenden analysieren die realen Verbrauchsketten und die Anforderungen der einzelnen Bereiche, vom Büro bis hin zur Lagerhalle. Wir orientieren uns dabei an unserer Caregiver-Philosophie: Der Kunde konzentriert sich voll und ganz auf sein Kerngeschäft, während wir die Verantwortung für das reibungslose Funktionieren seiner Arbeitsplätze übernehmen. Durch die Bündelung der Beschaffung bei einem Partner eliminieren wir verdeckte Ineffizienzen, reduzieren die Anzahl der Rechnungen und gestalten das Sortiment so, dass es langfristig nachhaltig und kostenoptimiert ist.

Nachhaltigkeit gewinnt auch bei der Lieferantenauswahl an Bedeutung. Wie können österreichische Unternehmen ihre Beschaffung nachhaltiger gestalten, ohne Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit aus den Augen zu verlieren?
Rameder: Für österreichische Unternehmen ist Nachhaltigkeit längst kein bloßes Bekenntnis mehr, sondern ein fester Bestandteil von ESG-Reports und Risikomanagement in der Lieferkette. Viele Einkaufsteams befürchten jedoch nach wie vor, dass ökologische Lösungen ihr Budget übermäßig belasten.

Unsere Aufgabe ist es zu zeigen, dass Effizienz und der Umstieg auf umweltfreundlichere Alternativen absolut vereinbar sind. Ein Beispiel dafür ist unsere Eigenmarke Lyreco, bei der wir definierte Umweltstandards garantieren – bei gleichzeitig hoher Qualität und attraktivem Preis. Die Verlässlichkeit unserer Prozesse bestätigen auch unabhängige Bewertungen wie die EcoVadis-Platinmedaille oder die Auszeichnungen Sustainability Excellence und Reseller of the Year bei den European Office Products Awards. Für Kunden bedeutet das die Sicherheit, ihre ESG-Ziele mit einem geprüften Partner zu erreichen und gleichzeitig eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Hybride Arbeitsmodelle, Fachkräftemangel und künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt. Welche Anforderungen werden österreichische Unternehmen in den kommenden Jahren an ihre Arbeitsplätze und an strategische Beschaffungspartner stellen? Welche Rolle spielen dabei persönliche Beziehungen, und warum investiert Lyreco weiterhin in seine Außendienstteams?
Rameder: Die Anforderungen an das Arbeitsumfeld verändern sich dramatisch. Büros übernehmen heute eine wichtige Funktion im Employer Branding. Sie müssen eine hervorragende Ergonomie, ein erstklassiges Versorgungsangebot und Raum für Zusammenarbeit bieten. Gleichzeitig sehen wir ein starkes Wachstum in den Bereichen Produktion und Logistik, wo Sicherheit und Hygiene höchste Priorität haben. In diese Entwicklung greifen digitale Technologien und KI entscheidend ein.

Bei Lyreco nutzen wir künstliche Intelligenz zur Analyse von Einkaufsdaten, zur Bedarfsprognose und zur Automatisierung von Routinen. Dadurch verschaffen wir unseren Außendienstmitarbeitenden, die ich als „Relationship Builder“ verstehe, wertvolle Freiräume. Diese gewonnene Zeit investieren sie in den persönlichen Kontakt vor Ort. Kein Algorithmus kann die Besonderheiten einer Unternehmenskultur oder die Abläufe im Betrieb so gut erfassen wie ein Mensch direkt vor Ort. Und sollte es einmal zu Rückfragen oder Reklamationen kommen, spricht der Kunde mit einer Ansprechperson aus Fleisch und Blut und nicht mit einem Chatbot. Digitale Lösungen können viele Prozesse beschleunigen. Wenn persönliche Beratung oder Problemlösung gefragt ist, bleibt jedoch ein kompetenter Ansprechpartner entscheidend.

Herr Rameder, vielen Dank.