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Handelsverband Deutschland 29.06.2026

HDE warnt vor Abschaffung der Minijobs

Der Handelsverband Deutschland lehnt die Pläne zur Abschaffung von Minijobs im Zuge der Rentenreform entschieden ab. Der Verband befürchtet erhebliche Folgen für Beschäftigte, Handelsunternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer
Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer© Foto: HDE

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat die Vorschläge der Rentenkommission zur weitgehenden Abschaffung der Minijobs scharf kritisiert. Nach Ansicht des Verbandes würden die Pläne insbesondere den Einzelhandel stark belasten und zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten gefährden.

„Es ist richtig und wichtig, dass die Rentenkommission Wege sucht, die Sozialversicherungen und damit auch die Lohnnebenkosten zu stabilisieren und zu senken. Die weitgehende Abschaffung der Minijobs ist dabei aber ein gefährlicher Irrweg. Das vernichtet hunderttausende Jobs im Einzelhandel. Denn viele Minijobber können beispielsweise wegen fehlender Möglichkeiten zur Kinderbetreuung gar nicht Vollzeit arbeiten. Und auch für viele Rentner und Studenten würde das ein wichtiges Standbein ihrer Alltagsfinanzierung wegschlagen“, erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Nach Angaben des Verbandes sind allein im deutschen Einzelhandel derzeit rund 800.000 Menschen in Minijobs beschäftigt. Für Handelsunternehmen seien diese Beschäftigungsverhältnisse ein wichtiges Instrument, um Personal flexibel einzusetzen und Auftragsspitzen abzudecken.

„Minijobs ermöglichen es den Händlern, Personal flexibel einzusetzen und die branchentypischen Stoßzeiten abzufedern. Es kann nicht das Ziel sein, Arbeitnehmer und Unternehmen in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage zusätzlich zu belasten“, sagt Genth.

Kritisch bewertet der HDE zudem die Auswirkungen weiterer Reformpläne im Bereich der Kranken- und Pflegeversicherung. Die vorgesehenen Änderungen würden die allein vom Arbeitgeber finanzierte Pauschalabgabe für Minijobber nach Verbandsangaben um mehr als acht Prozentpunkte auf nahezu 40 Prozent erhöhen. Gleichzeitig verweist der HDE auf Berechnungen der Bundesregierung, wonach dadurch zusätzliche Einnahmen von mehr als 3,1 Milliarden Euro jährlich erzielt werden sollen. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, wie der Wegfall der Minijobs finanziell ausgeglichen werden könne.

Neben der Kritik an den Minijob-Plänen lehnt der Verband auch die vorgeschlagene paritätisch finanzierte Kapitalrente unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung ab. Zusätzliche Beitragssteigerungen seien aus Sicht des HDE ein Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Positiv bewertet der Verband hingegen andere Empfehlungen der Rentenkommission. So unterstützt der HDE die geplante Abschaffung der Rente mit 63 sowie eine Anhebung des Renteneintrittsalters entsprechend der steigenden Lebenserwartung. Nach Auffassung des Verbandes sollten diese Anpassungen jedoch schneller umgesetzt werden als bislang vorgesehen.
einzelhandel.de