Adveo 26.08.2025
Sanierungsverfahren: Französischer Großhändler kämpft um Zukunft
Der französische Papier- und Bürobedarfs-Großhändler Adveo hat Anfang August 2025 beim Handelsgericht Bobigny ein gerichtliches Sanierungsverfahren beantragt. Mit dem Schritt sollen laut Unternehmen Geschäftsabläufe, Arbeitsplätze und Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten gesichert werden.

Adveo in Frankfreich steckt mitten in der Krise. Am 6. August 2025 beantragte die Unternehmensführung beim Handelsgericht Bobigny die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens (redressement judiciaire). „Diese Entscheidung folgt dem Willen, die Geschäftstätigkeit, die Arbeitsplätze sowie die Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden und Lieferanten zu erhalten. …“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Ziel ist es, die laufenden Geschäfte aufrechtzuerhalten und eine Zerschlagung zu verhindern.
Die gerichtliche Entscheidung folgte am 20. August: Laut Veröffentlichung im offiziellen Anzeiger BODACC stellte das Gericht die Zahlungsunfähigkeit von Adveo zum 30. Juni 2025 fest und eröffnete das Sanierungsverfahren. Zum Insolvenzverwalter wurden die Kanzleien Ajilink – Labis Cabooter sowie Selarl BL & Associés bestellt; als gerichtlich bestellte Vertreter fungieren die SCP Angel‑Hazane‑S.Duval und Me Marie Danguy. Gläubiger sollen ihre Forderungen innerhalb von zwei Monaten melden.
Adveo zählt mit Marken wie Calipage, Plein Ciel und Buro+ zu den führenden Großhändlern für Papeterie, Bürobedarf und Bürotechnik in Frankreich und Benelux. Der Schritt in die Sanierung ist die Konsequenz aus jahrelangen Restrukturierungen und einem angespannten Markt. Wie aus Unternehmensregistern hervorgeht, war das Verfahren bereits am 6. August anhängig.
Die Zukunft von Adveo hängt nun von der Unterstützung durch Investoren und den Erfolg der gerichtlichen Sanierung ab. Branchenkenner sehen Chancen für eine Fortführung unter neuem Kapital, warnen aber, dass der französische Markt für Büro- und Schreibwaren weiterhin hart umkämpft bleibt.
Auch hierzulande hatte Adveo bereits mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Im November 2018 beantragte die deutsche Tochtergesellschaft aufgrund des Moratoriums der spanischen Mutter einen Insolvenzprozess in Eigenverwaltung. Trotz erster Fortschritte bei der Stabilisierung des Geschäfts fand sich kein neuer Investor; im Frühjahr 2019 wurden die Beschäftigten informiert, dass der Betrieb eingestellt wird. Vor diesem Hintergrund ruft das französische Sanierungsverfahren Erinnerungen an die damalige Restrukturierung wach und zeigt, wie langwierig die Konsolidierung des Konzerns ist.
Im Zuge der Konzerninsolvenz wurde Adveo Frankreich 2019 aus dem Verbund herausgelöst: Der US‑Investor Sandton Capital Partners zahlte 5,5 Millionen Euro für die französischen, belgischen und niederländischen Tochtergesellschaften und stellte ihnen einen fünf Millionen Euro schweren Brückenkredit zur Verfügung. Seitdem agiert Adveo France als eigenständiger Großhändler. Das Unternehmen erweiterte unter anderem seine Markenfamilie (Calipage, Plein Ciel, Buro+) und erwarb Anfang 2025 sogar 18 Top‑Office‑Filialen, verfügt über regionale Logistikzentren und liefert nach eigenen Angaben mehr als 25.000 Artikel binnen 24 bis 48 Stunden.
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