Prisma Fachhandels AG 17.03.2026
Christian Schmidt: „Stabilität ist kein Zufall”
Der PBS-Markt steht unter Druck: Margen schrumpfen, Kosten steigen, Strukturen verschieben sich. Christian Schmidt, Vorstand der Prisma Fachhandels AG, spricht über Realitätssinn, frühe Bonuszahlungen und warum Mittelmaß im Fachhandel keine Option mehr ist.

Herr Schmidt, wie hart trifft die aktuelle Marktlage den PBS-Fachhandel wirklich?
Schmidt: Der Handel steht vor großen Herausforderungen. Die Konsumneigung ist zurückhaltend, während die Betriebskosten erheblich auf die Standorte drücken.
Gleichzeitig zeigt sich der PBS-Fachhandel bemerkenswert robust, weil er sich seit Jahren wandelt und immer wieder neu erfindet. Zwar sind die klassischen Segmente im Markt rückläufig, doch viele Händler positionieren sich erfolgreich in Nischen – etwa als Schulranzenexperten oder Geschenkideenspezialisten.
Entscheidend ist die Differenzierung: Wer austauschbar ist, gerät unter Druck. Wer ein klares Profil hat, mit kompetenter Beratung überzeugt oder als verlässlicher Problemlöser im Alltag wahrgenommen wird, kann sich auch in einem schwierigen Marktumfeld behaupten.
Und wo steht Prisma in diesem Umfeld?
Schmidt: Auch im Verbandsumfeld wird es zu weiteren Zusammenschlüssen kommen, da die Zahl der Einzelhändler insgesamt abnimmt. Überleben werden die Verbände, die solide wirtschaften und ihren Mitgliedern einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert bieten. Händler werden sich künftig noch bewusster für den Verband entscheiden, bei dem sie sich fachlich wie menschlich am besten aufgehoben und verstanden fühlen.
Für Prisma bedeutet das: Wir wirtschaften seit Jahrzehnten umsichtig und überprüfen unsere Strukturen kontinuierlich. Wir wissen genau, was wir leisten können – und was nicht. Besonders wichtig ist uns dabei der persönliche Kontakt und ein partnerschaftlicher Umgang mit unseren Mitgliedern.
Sie haben den Bonus erneut frühzeitig ausgezahlt. Warum war das ein bewusstes Statement?
Schmidt: Die frühzeitige Bonusauszahlung ist bei Prisma seit Jahren gelebte Praxis – und aus unserer Sicht gut und richtig. Es ist das Geld unserer Mitglieder. Wenn wir durch eine frühere Auszahlung ihre Liquidität stärken können, tun wir das selbstverständlich gerne.
Gerade in wirtschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten zeigt sich Verlässlichkeit nicht in Worten, sondern in konkreten Maßnahmen. Die frühzeitige Bonusauszahlung ist für uns ein fester Bestandteil partnerschaftlicher Zusammenarbeit und ein klares Signal nachhaltiger Unterstützung unserer Mitglieder. Schließlich müssen auch im ersten Quartal Rechnungen bezahlt und Waren finanziert werden – insbesondere mit Blick auf das wichtige Schulgeschäft.
War 2025 ein verlorenes Jahr oder ein Lernjahr?
Schmidt: Weder noch – zumal 2026 voraussichtlich ähnlich verlaufen wird. Wir gehen in jedes Jahr mit einer positiven Grundeinstellung und sehen trotz Konsolidierung weiterhin Entwicklungspotenziale, sowohl für uns als auch für unsere Händler. Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich; entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht.
Inflation, Unsicherheit und Konsumzurückhaltung zwingen Unternehmer dazu, genauer hinzusehen. Themen wie Sortimentspolitik, Kosteneffizienz und Flächenproduktivität standen daher auf der Tagesordnung jeder Erfa-Runde. Händler, die ihre Kennzahlen im Griff haben, stehen heute stabiler da. Andere merken, dass alte Routinen nicht mehr tragen. Insgesamt wird der Markt professioneller.
Die Branche konsolidiert sich. Büroring, EK, duo schreib & spiel – Diskussionen um Genossenschaften. Wird der Markt am Ende von wenigen Großen dominiert?
Schmidt: Größe allein ist kein Geschäftsmodell. Die zunehmende Transparenz auf Beschaffungs- und Absatzmärkten stellt insbesondere Verbände mit Großhandelsstrukturen vor große Herausforderungen, da klassische Mengenbündelung nicht mehr wie früher stattfindet.
Entscheidend ist vielmehr, ob eine Organisation die Erwartungen ihrer Händler erfüllt und ihnen echten Mehrwert bietet. Dann können sich die Händler stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und sich dort weiterentwickeln.
Eigenständigkeit bleibt für viele Fachhändler ein zentraler Wert. Wir schaffen einen Rahmen, der wirtschaftliche Stärke ermöglicht, ohne die unternehmerische Identität einzuschränken.
Wie schauen Sie auf 2026?
Schmidt: Ich erwarte ein herausforderndes Jahr: Die Kosten bleiben hoch, und viele Konsumenten müssen weiterhin stark auf ihr verfügbares Einkommen achten.
Gemeinsam mit unseren Mitgliedern werden wir diese Phase meistern. Wir sind fest davon überzeugt, dass der stationäre Fachhandel mit seiner persönlichen Kundenansprache einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leistet und sich bewusst von einer zunehmenden Digitalisierung abhebt.
Die Prisma hat die Lieferantensuche auf der Website umfassend erweitert. Was steckt hinter dieser Neuerung und welchen Nutzen haben die Händler davon?
Schmidt: Wir haben die Lieferantensuche auf unserer Website deutlich weiterentwickelt, um unseren Mitgliedern den Zugriff auf relevante Lieferanten schneller und einfacher zu machen. Bisher konnten Händler nach Name, Straße oder Postleitzahl suchen. Jetzt ist zusätzlich eine KI-gestützte Datenbank integriert, die auch Marken und konkrete Produkte erkennt.
Das bedeutet: Händler können beispielsweise direkt nach einer Marke wie „Harry Potter“ oder nach einem Produkt wie „Stempel“ suchen und erhalten sofort eine Übersicht der passenden Lieferanten. Grundlage dafür ist eine deutlich umfangreichere Datenbank, bei der mithilfe von KI die Webseiten unserer Lieferanten analysiert und deren Sortimente strukturiert erfasst wurden.
Ergänzt wird das Ganze durch eine neue Kategorienübersicht. Dort können Händler beispielsweise gezielt nach Bereichen wie Bürobedarf und Schreibwaren, Spielwaren, Beleuchtung oder Schulranzen suchen und bekommen sofort alle passenden Anbieter angezeigt.
Unser Ziel ist klar: Wir möchten unseren Mitgliedern die tägliche Arbeit erleichtern und ihnen helfen, schneller den richtigen Lieferanten für ihr Sortiment zu finden. Besuchen Sie unsere Seite und probieren Sie es einfach aus!
Was passiert auf der nächsten Prisma-Fachtagung vom 13. und 14. Juni 2026 in Mainz geplant?
Schmidt: Wir möchten unsere Mitglieder bewusst aus ihrem Arbeitsalltag entreißen. Mit ihnen diskutieren, lachen, Kraft tanken, neue Ideen entwickeln und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen. Der persönliche Austausch steht dabei klar im Mittelpunkt.
Als Gastgeber schaffen wir den Rahmen, damit unsere Mitglieder miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen können. Abgerundet wird die Fachtagung durch ein exklusives Rahmenprogramm mit besonderen Highlights. Die Einladungen zur Fachtagung am 13. und 14. Juni 2026 werden in Kürze versendet.
Herr Schmidt, vielen Dank!