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Büroring 09.06.2026

Restrukturierungkurs und neue Perspektiven

Beim PBS Forum 2026 in Dresden stand die Zukunft der Büroring eG im Mittelpunkt. Neben der 50. Generalversammlung präsentierte die Genossenschaft ihre Strategie bis 2030 und zeigte auf, wie sie nach einer tiefgreifenden Restrukturierung wieder auf Wachstumskurs kommen will.

Ingo Beier, Björn Unfug, Frank Exslager und Ingo Dewitz (v. l.) präsentierten beim PBS Forum 2026 die Kooperation zwischen Büroring und PBS Deutschland sowie die Strategie der Genossenschaft bis 2030.
Ingo Beier, Björn Unfug, Frank Exslager und Ingo Dewitz (v. l.) präsentierten beim PBS Forum 2026 die Kooperation zwischen Büroring und PBS Deutschland sowie die Strategie der Genossenschaft bis 2030.© Foto: Büroring

Am 4. und 5. Juni 2026 traf sich die PBS-Branche in Dresden zum PBS Forum 2026. Neben einer umfangreichen Lieferantenausstellung und der parallel stattfindenden Messe „Saison und Trends“ der PBS Deutschland nutzten Händler, Lieferanten und Branchenpartner die Veranstaltung zum persönlichen Austausch. Im Mittelpunkt stand die 50. Generalversammlung der Büroring eG. Die Jubiläumsversammlung begann am 4. Juni um 12.30 Uhr und markierte einen besonderen Meilenstein in der Geschichte der Genossenschaft.

Im Anschluss stellten Vorstand und Geschäftsführung die neue Büroring-Strategie bis 2030 vor und gaben einen umfassenden Einblick in die laufende Transformation des Unternehmens.

Der Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr fiel ungewöhnlich offen aus. Ingo Dewitz, Geschäftsführer der Büroring eG, machte deutlich, dass die Genossenschaft in den vergangenen Jahren mit erheblichen strukturellen Problemen zu kämpfen hatte. Mitgliederaustritte, rückläufige Geschäftsvolumina und hohe Fixkosten hätten die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend belastet. Gleichzeitig seien die Auswirkungen vieler Entscheidungen zeitversetzt sichtbar geworden, da sich Austritte von Mitgliedern häufig erst Jahre später vollständig in den Geschäftszahlen niederschlagen.

Die Entwicklung wird auch anhand der Mitgliederzahlen sichtbar. Während die Genossenschaft im Jahr 2020 noch 325 Mitglieder zählte, waren es Anfang 2026 noch 214. Parallel dazu halbierte sich das über die Organisation abgewickelte Geschäftsvolumen innerhalb weniger Jahre. Die wirtschaftlichen Folgen führten schließlich zu einer Situation, die Vorstand und Geschäftsführung als existenzielle Herausforderung bezeichneten.

Bereits im Geschäftsbericht wurde die Lage ungewöhnlich deutlich beschrieben. Die Begriffe Liquiditätskrise, Ertragskrise und Bestandsgefährdung fanden dort ausdrücklich Verwendung. Die Führung der Genossenschaft kam zu dem Schluss, dass wesentliche Teile des bisherigen Geschäftsmodells unter den heutigen Marktbedingungen nicht mehr wirtschaftlich tragfähig seien.

Im Zentrum der Neuausrichtung steht deshalb die Aufgabe des eigenen Lagergeschäfts. Nach Angaben der Verantwortlichen verursachte das Lager zuletzt monatliche Verluste im niedrigen sechsstelligen Bereich. Das Lager wird vollständig geschlossen. Bereits in den kommenden Wochen beginnt der Rückbau der Fördertechnik und der technischen Infrastruktur.

Im Zusammenhang mit dem Standort Haan ging Dewitz auch auf die Diskussion um das Lagergebäude ein. Er stellte klar, dass die Immobilie bereits vor einiger Zeit verkauft und anschließend nicht zurückgemietet worden sei. Der bestehende Vertrag endet zum 30. September 2026 ohne Kaufrecht.

Die Aufgabe der Eigenlogistik sei Teil der strategischen Neuausrichtung und solle die hohen Fixkosten dauerhaft reduzieren.

Die Restrukturierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Organisation. Insgesamt verlassen 47 Mitarbeitende das Unternehmen. Damit gehört der Personalabbau zu den größten Veränderungen in der jüngeren Geschichte der Genossenschaft.

Als entscheidenden Baustein der Zukunftsstrategie bezeichnete Dewitz die Zusammenarbeit mit PBS Deutschland. Die Kooperation umfasst die Übernahme wesentlicher Teile der Warenversorgung sowie die Integration des bisherigen Lagerbestands. Nach Angaben der Beteiligten wurden dafür insgesamt 52 Lkw-Ladungen mit einem Warenwert von rund 1,6 Millionen Euro bewegt.

Gemeinsam mit Björn Unfug, Vorstand der Büroring eG, erläuterte Ingo Dewitz die Hintergründe der Kooperation. Unterstützt wurden beide von Frank Exslager, Geschäftsführer der PBS Deutschland GmbH, und Ingo Beier, Kaufmännischer Leiter der PBS Deutschland GmbH. Alle Beteiligten betonten, dass es sich nicht um eine kurzfristige Sparmaßnahme handele, sondern um einen strategischen Schritt zur Stärkung der angeschlossenen Fachhändler.

Frank Exslager hob hervor, dass beide Unternehmen den Markt und die Herausforderungen ihrer Partner seit vielen Jahren kennen. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Händler in einem zunehmend konzentrierten Marktumfeld zu sichern und gemeinsam zusätzliche Marktpotenziale zu erschließen.

Die operative Umsetzung stellt beide Organisationen derzeit noch vor Herausforderungen. Die Integration der Lagerbestände und die technische Zusammenführung der Systeme laufen auf Hochtouren. Nach Angaben der Verantwortlichen wurden die letzten Warenbestände erst kurz vor der Generalversammlung übernommen. Die IT-Teams arbeiten daran, sämtliche Artikelbestände vollständig in die Systeme zu integrieren und die gewohnte Bestellfähigkeit sicherzustellen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie bis 2030 ist die konsequente Digitalisierung des Geschäftsmodells. Statt eines physischen Lagers setzt Büroring künftig auf virtuelle Sortimente und digitale Plattformstrukturen. Ziel ist der Zugriff auf bis zu fünf Millionen Artikel.
Björn Unfug beschrieb diesen Wandel als Übergang vom physischen zum virtuellen Lager. Händler sollen künftig auf ein deutlich größeres Sortiment zugreifen können, ohne dass die Genossenschaft selbst hohe Lagerbestände finanzieren muss.

Darüber hinaus sollen digitale Datenpools, Plattformtechnologien und moderne Beschaffungsprozesse die Grundlage für neue Dienstleistungen bilden. Genannt wurden unter anderem Print Services, Dokumentenmanagement, IT-Dienstleistungen, Robotik-Lösungen, New-Work-Konzepte sowie zusätzliche Serviceangebote für den Fachhandel.

Ob und in welchem Umfang diese neuen Geschäftsfelder künftig zusätzliche Erträge generieren werden, dürfte sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Verantwortlichen sehen insbesondere in der intelligenten Nutzung von Daten sowie in digitalen Plattformmodellen erhebliche Wachstumspotenziale.

Im Zuge der Neuausrichtung wurden nach Angaben der Vorstände verschiedene Zukunftsszenarien analysiert. Die Ergebnisse führten schließlich zu einer positiven Fortführungsprognose. Die Handlungsfähigkeit sei gesichert und die wirtschaftliche Basis stabilisiert worden. Auch der Geschäftsbericht verweist darauf, dass die Restrukturierungsmaßnahmen die Voraussetzungen für die Fortführung des Unternehmens geschaffen haben.

Gleichzeitig machten die Verantwortlichen deutlich, dass die Restrukturierung noch nicht abgeschlossen ist. Die volle Wirkung der Maßnahmen werde sich voraussichtlich erst ab 2027 in den Geschäftszahlen widerspiegeln. Für das laufende Jahr rechnen die Verantwortlichen noch nicht mit einer vollständigen Rückkehr in die Gewinnzone.

Trotz der schwierigen Ausgangslage überwog in Dresden die Zuversicht. Die Genossenschaft hat nach eigenen Angaben die tiefgreifendste Umstrukturierung ihrer jüngeren Geschichte eingeleitet. Ob der eingeschlagene Kurs dauerhaft erfolgreich sein wird, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen. Die entscheidenden Weichen für einen Neuanfang wurden jedoch gestellt.
bueroring.de